„Jeder Stein ist eine Herausforderung“

Fabian Vey aus Schlüchtern ist Edelsteinfasser und Bundessieger
Schlüchtern

Für seine Arbeit braucht es ein ruhiges Händchen, scharfe Augen und viel Geduld, dazu Präzision, Sorgfalt, Fachwissen und Kreativität: Fabian Vey aus Schlüchtern ist Edelsteinfasser – mit seinem eindrucksvollen Gesellenstück wurde er nicht nur zum  Kammersieger gekürt, sondern setzte sich auch auf Landes- und Bundesebene durch.

Von unserer Mitarbeiterin Kathrin Noll

80 Stunden Zeit und genaue Vorgaben hatte Fabian Vey für sein Gesellenstück, ein höchst wandelbares Armband mit filigranen, aufschraubbaren Schmuckaufsätzen in Silber und 585er Gelbgold, die für eine wechselnde Optik sorgen und die verschiedenen Fassertechniken, also die Art der Befestigung der einzelnen Edelsteine. Bei der Pavé-Fassung etwa sitzen sie dicht an dicht wie Pflastersteine und ergeben eine funkelnde Fläche, gesichert durch kleine Kügelchen des Fassungsmetalls. „Da wird nichts geklebt“, betont Vey.

Mit seinem besonderen Schmuckstück meldete er sich beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks (PLW – „Profis leisten was“) im Kammerbezirk Wiesbaden an, für den sich insgesamt 40 Nachwuchshandwerker aus unterschiedlichen Ausbildungsberufen qualifiziert hatten. Mit Erfolg: Nach dem Kammersieg überzeugte der 24-Jährige auch die Jury beim Landeswettbewerb und heimste einen weiteren Sieg ein. Die Krönung folgte dann im Dezember 2016 in Münster, wo er mit einer Goldmedaille als erster Bundessieger ausgezeichnet wurde. Rund 3000 Gesellen hatten sich nach ihrem Abschluss an den bundesweiten Ausscheidungswettbewerben beteiligt.

Sein Talent hat Fabian Vey quasi in die Wiege gelegt bekommen, stammt er doch aus einer alteingesessenen Schlüchterner Uhrmacher- und Goldschmiedefamilie und erlebte von klein auf die Arbeit im elterlichen Betrieb, der im Jahr 1848 gegründet worden war.

Sein Vater Holger ist Uhrmacher- und Goldschmiedemeister, sein Großvater Karl Heinz Uhrmachermeister, Urgroßmutter Meta war lange Zeit sogar die einzige Uhrmachermeisterin in Hessen-Nassau. Fabian und sein drei Jahre älterer Bruder Patrick, der ebenfalls das Uhrmacherhandwerk erlernt hat, setzen nun diese Tradition in vierter Generation fort.

Nach dem Schulabschluss entschied sich Fabian Vey für eine Ausbildung zum Goldschmied in der eigenen Goldschmiedewerkstatt des Familienunternehmens. Anschließend spezialisierte er sich weiter und absolvierte eine zweite Ausbildung zum Edelsteinfasser an der renommierten Staatlichen Zeichenakademie in Hanau. Lediglich drei bis fünf Schüler werden jährlich für diese Aufbauausbildung angenommen – nach bestandener Aufnahmeprüfung. Derzeit besucht Vey dort die Meisterschule für Goldschmiede. Sein Stundenplan ist vollgepackt, viel Zeit für sein Hobby, das Gitarrespielen, bleibt ihm nicht. Nebenbei erledigt er noch Fasserarbeiten im elterlichen Schmuck- und Uhrengeschäft.

Am Edelsteinfassen schätzt er besonders die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten – und die damit verbundenen Herausforderungen. Denn jeder Stein ist anders. „Topas zum Beispiel ist hart, aber ziemlich brüchig. Beim Eintreiben muss man aufpassen, dass er nicht bricht“, erzählt Vey. Deshalb arbeitet er mit größter Sorgfalt und weist die Kunden vorher auf mögliche Risiken hin. Eine Vorliebe hat er für Rubine, nicht nur wegen der Farbe Rot, sondern auch wegen ihrer robusten Beschaffenheit. „Saphire und Diamanten lassen sich ebenfalls sehr schön fassen“, so der 24-Jährige.

Schon in seiner Jugend war Fabian Vey gerne kreativ, hat viel gezeichnet. „Ich wollte immer einen künstlerischen Beruf machen“, sagt er. Wenn er seinen Meister in der Tasche hat, möchte er ein paar Jahre in der Industrie arbeiten, um seine Fertigkeiten und Kenntnisse zu vertiefen und Erfahrungen zu sammeln, zum Beispiel bei einer Trauringfirma oder in einem großen Juwelierunternehmen. Danach könnte er sich vorstellen, in den Familienbetrieb einzusteigen oder sich als Edelsteinfasser selbständig zu machen. Denn die sind – zumindest in kleineren Schmuckbetrieben und -werkstätten – rar gesät. „Ein Traum wäre es auch, selbst Lehrer an der Staatlichen Zeichenakademie in Hanau zu werden.“

 

Mit freundlicher Genehmigung der Kinzigtal Nachrichten | Artikel vom 21.02.2017

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Edelsteinfasser Fabian Vey bei der Arbeit in der Goldschmiedewerkstatt des elterlichen Schmuck- und Uhrengeschäfts in Schlüchtern.

Das Gesellenstück von Edelsteinfasser Fabian Vey, mit dem er Kammer-, Landes- und Bundessieger wurde.     

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